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Walter Russell
Geheimnis des Lichtes
Das universale Partnerprinzip
Teil 1: ALLWISSENHEIT
DAS UNIVERSUM DES WISSENS
Teil 2: Allmacht
Das Universum der Kraft
Teil 3: Allgegenwart
Das Universum des Seins
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Kapitel I
Die ewige Frage

»Wer bin ich?«
»Was bin ich?«
»Warum bin ich?«
»Wohin bin ich unterwegs?«
»Welcherart ist meine Beziehung zum Universum, zu Gott und den Menschen?«
»Was ist Wahrheit? Wie kann ich sie erfahren?«
»Woher stammt meine Kraft? Was ist die Quelle meiner Kraft?«
»Wie kann ich ins Gleichgewicht kommen? Wie kann ich im Umgang mit meinen Mitmenschen jene Ausgewogenheit im Geben und Empfangen kennen lernen, durch welche sie und ich gleichermaßen bereichert werden?«
»Es gibt religiöse Lehren wie Sand am Meer, und zahlreich sind die Gebote, Gutes zu tun. Aber das Gute ist vor meinen Augen noch verborgen wie durch einen undurchdringlichen Nebel. Er verbirgt Dein Licht, und ich suche es vergeblich.«
»Ich stolpere in dieser Dunkelheit. Wenn ich mein Gleichgewicht nicht finde, stürze ich.«
»Oh Du unsichtbarer Einer, reiße den verhüllenden Schleier von meinen Augen, der den Pfad zu Deinem Licht verbirgt, damit ich den Weg zu Dir finde.«
So erklingt durch alle Zeiten das Flehen der Menschheit.
So lautet die unbeantwortete Frage, die aus den Herzen dieser erwachenden Generation aufsteigt.
Die Zivilisation schreitet in Zyklen voran. Neue Ebenen des Verstehens transformieren die Menschen in regelmäßigen Schüben zu immer höher entwickelten Wesen. Wir erleben jetzt die Geburtswehen eines neuen Zyklus von dreitausend Jahren.
Gottes Allwissenheit, Allmacht und Allgegenwart sind im Bewusstsein eines jeden Menschen verankert; aber nur wenige erkennen die Einheit ihres Seelen-Selbst mit dem universalen Seelen-Selbst. Der Mensch braucht viele Jahrtausende, um sich dieser Einheit bewusst zu werden. Jeder Entwicklungszyklus des Menschen bringt ihn näher zu dem Bewusstsein, eins zu sein mit dem Licht aus der Quelle seines Selbst.
Der Mensch lebt in einer verwirrend komplexen Welt von AUSWIRKUNGEN, deren URSACHE er nicht kennt. Diese scheinbar unendliche Vielfalt und Komplexität verstellt ihm den Blick für das zugrunde liegende Prinzip des Gleichgewichts in allen Dingen. Daher verkompliziert er die Wahrheit, bis ihre vielen Winkel, Seiten und Facetten untereinander und mit ihm das Gleichgewicht verloren haben.
Wahrheit ist einfach. Gleichgewicht ist einfach. Rhythmischer, ausgewogener Austausch zwischen polar gegensätzlichen Paaren stellt bei allen Naturphänomenen und in allen zwischenmenschlichen Beziehungen die vollendete Meisterschaft in Gottes Licht-Universum dar und ist das Gesetz. In diesem einen grundlegenden Universalen Gesetz liegt die ausgewogene Fortdauer aller schöpferischen Ausdrucksformen in Gottes Universum aus elektrischen Wellen begründet. Dieses Universum besteht aus zwei sich bedingenden Lichtqualitäten in scheinbarer Bewegung, die Gottes Eine Gesamtidee der Schöpfung in Gestalt unzähliger, scheinbar getrennter Bruchteile jener Gesamtidee aufzeichnen.
Die innere Stimme
Auf die große unbeantwortete Frage der Menschheit gibt es eine einfache Antwort. Die leise Stimme im Innern eines jeden Menschen flüstert ihm diese Antwort unablässig in sein erwachendes Bewusstsein. Jede Sehnsucht, die im Herzen des Menschen geschrieben steht, wird zur Quelle getragen, und die Antwort kommt immer, aber nur wenige fragen gründlich, und kaum jemand lauscht auf die Antwort.
Es bedarf vieler Zeitalter der Vorbereitung, um diese Stimme hören zu lernen, denn das Bewusstsein des Menschen ist durch die Wahrnehmungen seines elektrisch gesteuerten Körpers, den er fälschlicherweise für seinen Geist und sein persönliches Selbst hält, von seiner Quelle getrennt.
Was er als seinen objektiven menschlichen Geist bezeichnet, ist nichts weiter als der Sitz der elektrischen Empfindungen seines Körpers. Was er für Denken hält, ist nur eine elektrische Wahrnehmung von Dingen, die gespürt und für eine neuerliche Nutzung als so genannte »Erinnerung« in den Gehirnzellen gespeichert wird. Mit dem Wissen des Universalen Geistes, welcher dem Menschen innewohnt, haben Erinnerungen nicht mehr zu tun als eine Schallplatte mit der Quelle ihrer Aufnahme. Was der Mensch für seinen lebendigen Körper hält, ist nur eine elektrisch gesteuerte Maschine; sie täuscht Leben vor durch Bewegung, die ihr vom Seelen-Selbst in ihrem Innersten zuteil wird. Dieses allein lebt, und nach seinem Willen bewegt sich der Körper.
Was der Mensch seinen subjektiven Geist nennt, ist sein Bewusstsein, sein geistiger Speicher von Allwissenheit, Allmacht und Allgegenwart. Dieses Bewusstsein ist sein Selbst, sein EWIGES Selbst, durch welches sich seine Allwissenheit, Allgegenwart und Allmacht in dem Maße ausdrücken, wie ihm deren Vorhandensein in sich allmählich bewusst wird.
Die elektrisch schwingenden Nervenbahnen, die seine Körperfunktionen steuern, arbeiten fast ausschließlich mit automatischen Reflexen und instinktiven Reaktionen und nur in sehr kleinem Umfang aufgrund mentaler Entscheidungen. Jede Zelle und jedes Organ des menschlichen Körpers nimmt die eigene Bestimmung auf elektrischem Wege wahr und erfüllt sie ohne jedes mentale Zutun von Seiten der Intelligenz, die diesen Körper bewohnt. Der Herzschlag zum Beispiel ist rein automatisch. Die weißen Blutkörperchen eilen so automatisch zur Heilung einer Verletzung, wie eine Klingel ertönt, wenn man auf den Knopf drückt.
Der Mensch glaubt, dass er in diesem Körper und seinem elektrisch aufzeichnenden Gehirn denkt und lebt, liebt und stirbt. Er hält sich für bewusst, wenn er wach ist und für bewusstlos, wenn er schläft; dabei ist ihm nicht klar, dass es in der gesamten Natur einen Zustand wie Bewusstlosigkeit gar nicht gibt, auch wenn die Wahrnehmung im Schlaf zum Erliegen kommt.
Der Mensch sagt auch nicht, sein Zahn sei bewusstlos, wenn dieser durch Kurzschließen des elektrischen Stroms in der Nervenbahn, die in diesem Zahn wahrnehmbare elektrische Empfindungen ermöglicht, betäubt wird. Wir wissen, dass Zähne nicht bewusst sein können, aber uns ist nicht klar, dass unser gesamter Körper nicht bewusst sein kann.
Auch weiß der Mensch nicht, dass sein Bewusstsein niemals schläft und sich nie verändert, weil die Unsterblichkeit des Menschen in seinem Bewusstsein liegt. Dieses Bewusstsein ist das Licht, das er unwissentlich sucht und dabei die Wahrnehmungen seines Gehirns für sein Denken hält.
Der Mensch ist noch jung. Er hat das Dunkel seines Urwalds eben erst verlassen. In den Millionen oder mehr Jahren seiner Entwicklung hat er sich für sein Handeln auf Wahrnehmungen und für sein Wissen auf die Beweise seiner Sinne gestützt. Er ist sich des ihm innewohnenden Geistes erst seit wenigen Jahrtausenden bewusst. In diesem beginnenden neuen Gewahrsein ist er verwirrt und weiß nicht, was in ihm Geist ist, was Bewusstsein und was Wahrnehmung.
Der Mensch hat noch nicht gelernt, dass der Körper nur ein vom Selbst geschaffener Mechanismus ist, der das ihm innewohnende Selbst zum Ausdruck bringt, und dass dieses Selbst einen Teil Gottes manifestiert. Auch hat er noch nicht gelernt, dass Körper weder leben noch sterben, sondern sich ständig und immerdar wiederholen, so wie alle Ideen des Geistes sich wiederholen.
Das Rad zum Beispiel ist ein Mechanismus aus Nabe, Speichen und Felge. Ein kleiner Teil des Rades berührt den Boden, fühlt ihn und verlässt ihn dann, um aus der Reichweite der Wahrnehmungen, die Felge, Speichen und Boden miteinander verbinden, zu verschwinden.
Doch dann kehrt dieser Teil zurück.
Wenn das dem Menschen geschieht, sagen wir: »Er wurde geboren, lebte und starb.« Widerfährt es dem Apfel, der Flamme oder dem Baum, sagen wir: »Der Apfel ist aufgegessen, die Flamme ist erloschen, der Baum ist vermodert.« Wir sprechen so, weil nur ein kleiner Teil aus dem Kreislauf einer jeglichen Idee in die Reichweite unserer Sinne gelangt. Der größere Teil des Kreislaufs liegt jenseits unseres Wahrnehmungsausschnitts, so wie der größere Teil des Rades sich jenseits der gefühlten Wahrnehmung des Bodens befindet.
Wir wissen noch nicht, dass der unsichtbare Teil des Kreislaufs aller Ideen ebenso ein Kontinuum bildet wie das Rad. Der Kreislauf des Apfels besteht aus Licht, das von Sonne und Erde ausgehend zu jener positiven Hälfte des Apfels führt, die wir in der Hand halten. Die negative Hälfte des Kreislaufs ist Licht, das zur Sonne und zur Erde zurückkehrt, um die ewige Idee »Apfel« in Gestalt einer anderen Manifestation neu zu erschaffen. Dasselbe gilt für die Flamme, den Baum und jeden anderen Teil der Einen Gesamtidee Schöpfung.
Für unsere Wahrnehmung »erlischt die Flamme«. Aber sie IST noch immer. Genauso erscheinen der Baum, der Wald, der Berg, der Planet und der ferne Sternennebel, sie verschwinden und erscheinen unweigerlich wieder neu.
Genauso erscheint der Mensch, verschwindet und erscheint in zahllosen Kreisläufen immer wieder neu, um das ewige Leben des Geistes in ewigen Wiederholungen jenes Teils im Menschheitszyklus zum Ausdruck zu bringen, den der menschliche Körper wahrnehmen kann.
Der Mensch stirbt niemals. Er ist so beständig wie die Ewigkeit. Jesus sagte ganz richtig, der Mensch werde dem Tod nicht begegnen, denn es gibt keinen Tod, dem er begegnen oder den er erfahren könnte.
Entsprechend lebt der Körper des Menschen nicht, und da er nie gelebt hat, kann er auch nicht sterben. Allein der Geist lebt. Der Körper manifestiert lediglich den Geist. Das, was wir im menschlichen Geiste für Leben halten, manifestiert sich, indem es den Körper zum Handeln veranlasst. Solche Handlungen, die der Körper unter dem Befehl der ihm innewohnenden Seele ausführt, haben keine Willenskraft oder Intelligenz in sich selbst; Körper sind wie Maschinen, die von einem allwissenden und allmächtigen Geist angetrieben werden.
Diese Dinge wissen wir noch nicht, denn der Mensch läuft noch in seinen Kinderschuhen. Er beginnt gerade erst, das Licht kennen zu lernen.
Transformation auf ewig
Seit Ewigkeiten sucht der Mensch nach dem Licht, damit es ihn leite auf dem langen, beschwerlichen Weg, der ihn aus dem Dschungel seines Körpers zum Gipfel seiner erwachenden Seele führt.
Seit Ewigkeiten findet der Mensch dieses Licht und wird auf ewig transformiert, da er es findet.
Und indem er es findet, findet er allmählich sein Selbst, welches das Licht IST. Und da er durch das Gotteslicht des in ihm erwachenden Selbst immer mehr transformiert wird, lässt er den Dschungel immer weiter im Dunkeln hinter sich.
Manche Menschen suchen das Licht, und der Mut verlässt sie, weil sie es scheinbar nicht finden können. Dabei merken sie nicht, dass sie seit Ewigkeiten Findende sind. Die Unwissenden erwarten, in einem blendenden Blitz von Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart alles auf einmal zu finden.
In dieser Art kommt es jedoch erst, wenn man dem Gipfel sehr nahe ist. Der Mensch kann nicht so viel Licht auf einmal ertragen, solange sein Körper noch unerfahren und seinem Dschungel zu nahe ist. Wer den Dschungel ein Stück hinter sich gelassen hat, besitzt bereits genügend Licht, um sich den Ausweg aus seinen finsteren Tälern zu beleuchten.
Wer den Dschungel weit hinter sich gelassen hat und weiterhin das Licht in den höchsten Himmeln sucht, findet es immer wieder und wird stets aufs Neue im Finden transformiert.
Der Suchende darf keinen Moment die Augen von seinem höchsten Himmel abwenden, denn der kleinste Blick nach unten in die Dunkelheit bringt ihn zurück zu den Ängsten der Dunkelheit, die ihn dazu verleiten wollen, in sie zurückzutauchen.
Schaut daher für immer nach oben in die Himmel der Inspiration, wo Glorie die furchtlosen, allwissenden Reisenden auf ihrer Suche nach Schönheit in der Reinheit des universalen Lichtes erwartet.
Wessen Augen zum Himmel erhoben sind, zu dem wird das Licht ewig kommen, und im Finden wird er auf ewig transformiert werden.
Die dunkle Straße aus seinem Dschungel zum Gipfel seiner Glorie wird während des Aufstiegs vom Körper zum Geist immer heller erleuchtet.
Es ist ein steiniger, aber glorreicher Aufstieg. Alle müssen ihn bewältigen.
DER AUFSTIEG DES MENSCHEN VOM DUNKEL IN DAS LICHT ist das sich ewig wiederholende Spiel des Menschen auf den Planeten, die um Sonnen kreisen.
Wenn die ganze Menschheit das Licht gefunden hat, ist das Spiel zu Ende, so wie dieser Planet dann auch nicht länger eine Bleibe für den Menschen sein wird. Die Erde wird dann ihre sich immer erweiternde Umlaufbahn verlassen, und die Venus wird allmählich ihre Stelle einnehmen, um zur Bühne der nächsten Runde im AUFSTIEG DES MENSCHEN in diesem Sonnensystem zu werden.
Wir als Spieler müssen daher einverstanden sein mit den Spielregeln, die jedem von uns im Licht offenbart werden. Desgleichen müssen wir während unserer ständigen Transformation immer mit Freude dabei sein, denn jeder von uns lernt seine Rolle, Zeile für Zeile, um sie immer würdiger auszufüllen.
Alle Teile des Spiels sind Erfahrungen, sie machen die Handlung des Stückes aus. Alle Erfahrungen des Menschen sind Teil seiner Entfaltung. Jede Erfahrung ist ein Teil seiner Reise vom Dunkel ins Licht.
Alle Erfahrungen sind Schritte auf jener Reise des Menschen zum Gipfel seiner Glorie. Daher sind alle Erfahrungen gut.
Es gibt nichts als das GUTE. Es gibt kein Böses.
Es gibt nichts als LEBEN. Es gibt keinen Tod.

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